Achtung Mähwerk!

Wenn Wiesen und Felder in voller Blüte gemäht werden, können Bienen leicht unter die "Räder" und zwischen die Rotorblätter kommen. Während sie bei "einfachen" Balken- und Kreiselmähern noch davon kommen können, haben sie bei den modernen Rotoraufbereitern keine Chance: Diese Aufbereiter knicken die Grashalme mehrfach, die Pflanzen verlieren schneller die Flüssigkeit und werden zu lockerem, duftendem Heu. Was für das Heu gut ist, ist tödlich für Bienen und andere Insekten. Auf einer Weißkleefläche können so schnell 25.000 Flugbienen ihr Leben lassen und auf Phaceliafeldern sogar bis zu 90000. [Schweizerisches Zentrum für Bienenforschung, 2000]

Fatal ist, dass die sammelnden Bienen nicht auf den Lärm und die Vibrationen des Maschinen reagieren, sie versuchen eher im Gegenteil sich an den Pflanzen festzuhalten und gelangen so mit dem Mähgut in den Aufbereiter. Auch die Höhe der Pflanzen spielt eine Rolle, da Bienen auf bis zu 75 cm über dem Boden trotz Fluchtversuchen in das Mähwerk gezogen werden. Die langen Pflanzen werden von der Abdeckung nach vorne gedrückt und versperren den Bienen die Flucht nach oben. Das Ausmass der Bienenverluste hängt also von der Art der Kultur ab, der Intensität des Bienenfluges und dem Mähwerk.

Die Glarner Bienenfreunde (Schweiz) haben aus diesen Erkenntnissen einen Flyer für Landwirte erstellt, in dem sie aufzeigen, wie Insekten beim Mähen geschont werden können und klären bei zahlreichen Veranstaltungen die Schweizer Landwirte über den richtigen Mähzeitpunkt auf: Löwenzahn, Weißklee und Wiesenkerbel sollten verblüht sein, große Wiesenflächen nach Möglichkeit zeitlich versetzt gemäht werden. Idealer weise sollte abends zwischen 18 und 8 Uhr gemäht werden; wenn tagsüber gemäht werden muss, dann bitte keine Aufbereiter verwenden. Wer auf den Aufbereiter nicht verzichten kann oder will hat trotzdem eine Möglichkeit die Insekten zu retten:

Michael Suhm ist schon einen Schritt weiter und setzt auf aktiven Insekten-Schutz. Der Entwickler und Naturschützer hat einen "Schiebe-Rechen" entwickelt und getestet, der schnell fliegende Insekten die Flucht ermöglicht und langsame Insekten von den Pflanzen auf den Boden abstreift bevor das Mähwerk zur Tat schreitet. Das Gestänge wird dazu ca. 80 cm vor dem Mähwerk durch das Gras getrieben und scheucht so die Insekten auf. Dr. Rainer Oppermann vom Institut für Agrarökologie und Biodiversität (IFAB) hat das Gestänge getestet und einen positiven Testbericht verfasst.

Für die schnell fahrenden Hochleistungs-Mähaufbereiter gibt es allerdings noch kein Mittel, weder logisch noch mechanisch. Eine Untersuchung von Kalthoff und Kollegen (1998) lässt vermuten, dass Schlegeln die Insekten weniger schädigt - allerdings ist in dieser Studie der Schlepper vor dem Mähwerk gefahren und könnte so den positiven Effekt ausgelöst haben.

Das Schweizer Zentrum für Bienenforschung (2000) macht folgende Vorschläge:

  • Mähen unterlassen bei mehr als 1 Biene pro Quadratmeter
  • Mäheinsatz bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen
  • Mähtag nicht verschiebbar => Mähzeit vor Uhr und nach 18 Uhr
  • Mähen vorzugsweise mit Kreiselmäher, Traktorseitenbalken oder Motormäher

Bienenschäden im größerem Ausmass sind laut Schweizer Zentrum zu erwarten, wenn die Mahd in der Zeit der Vollblüte mit regem Bienenflug fällt. Da diese Kombination nicht häufig sein dürfte, sind die damit verbundenen Einschränkungen für Landwirte zumutbar.